Angewandte Chemie

Cover image for Vol. 129 Issue 40

Chefredakteur: Peter Gölitz, Stellvertreter: Neville Compton, Haymo Ross

Online ISSN: 1521-3757

Associated Title(s): Angewandte Chemie International Edition, Chemie in unserer Zeit, Chemistry - A European Journal, Chemistry – An Asian Journal, ChemistryOpen, Nachrichten aus der Chemie, Zeitschrift für Chemie

Den vollständigen Artikel und die Anschrift des Autors finden Sie in Angew. Chem 2001, 113 (20), 3988 - 3991

Nr. 20/2001

Kampf den chronischen Entzündungen

Zuckerabkömmling nahmt Peptidstruktur nach - neuer Ansatzpunkt für einen Wirkstoff

Entzündungen sind normale Vorgänge, die eine wichtige Rolle bei der Bekämpfung von Infektionen und der Wundheilung spielen. Entzündliche Prozesse können aber auch aus dem Ruder laufen: Vermutlich sind sie mit verantwortlich für eine Reihe von Autoimmunerkrankungen, wie Multiple Sklerose und Rheuma - chronischen Krankheiten, für die noch immer nach wirksamen Medikamenten gesucht wird. Münchner Forscher haben nun eine biologisch aktive Substanz synthetisiert, die Basis für neue Medikamente gegen Entzündungen sein könnte.

Entzündungen entstehen, wenn weiße Blutkörperchen aus den Blutgefäßen in das Gewebe eindringen. Dafür müssen sie sich zunächst an die Wand des Blutgefäßes anheften. Die Kontaktstellen auf der Oberfläche der weißen Blutkörperchen bestehen aus Integrinen, Proteinen, die zu den Adhäsionsmolekülen gerechnet werden. Über eine Blockade dieser Integrine hofft man, den Entzündungsprozess zu stoppen.

An Integrin-Blockern arbeitet auch die Münchner Gruppe um Horst Kessler und Bernhard Holzmann. Sie kupferten von natürlichen Liganden der Integrine das Strukturmerkmal ab, das für deren Bindung an das Integrinmolekül entscheidend ist - nämlich eine ganz bestimmte räumliche Anordnung dreier Aminosäuren zueinander. So gelang es, kleine ringförmige Peptide zu synthetisieren, die dieses Strukturmotiv tragen, daher an Integrine binden und sie blockieren. Zyklische Peptide sind als Medikamente allerdings meist nicht besonders gut geeignet. Sie werden vom Körper sehr schnell wieder ausgeschieden und müssen gespritzt werden. Gerade im Fall von chronischen Erkrankungen ist es aber wünschenswert, dass das Pharmakon einfach als Pille geschluckt werden kann.

Gründe genug für die Münchner, noch einen anderen, etwas unkonventionellen Ansatz zu versuchen: Das ringförmige Peptidgerüst wird im Grunde nicht gebraucht. Wichtig ist nur, dass die für die Bindung entscheidenden drei Aminosäuren exakt an der richtigen Stelle sitzen. Die Forscher schauten sich diese Anordnung nochmal ganz genau an - und kamen zu der Erkenntnis, dass die Aminosäuren auch in ihre Positionen gebracht werden können, wenn man sie an ein Mannose-Molekül, einen ringförmigen Zucker, anhängt.

Und tatsächlich, der modifizierte Zucker wirkt als Integrin-Blocker. Kessler: "Diese neue Klasse von Peptidmimetika, also Peptidnachahmern, erfüllt außerdem alle Voraussetzungen für ein oral wirksames Medikament."

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