Angewandte Chemie

Cover image for Vol. 128 Issue 31

Chefredakteur: Peter Gölitz, Stellvertreter: Neville Compton, Haymo Ross

Online ISSN: 1521-3757

Associated Title(s): Angewandte Chemie International Edition, Chemistry - A European Journal, Chemistry – An Asian Journal, ChemistryOpen, ChemPlusChem, Zeitschrift für Chemie

Den vollständigen Artikel und die Anschrift des Autors finden Sie in Angew. Chem 2002, 114 (22), 4415 - 4418

Nr. 22/2002


Bald bessere Hilfe bei Blutvergiftung?

Neuer Ansatz zur Bekämpfung des Endotoxischen Schocks
durch aktive Immunisierung mit einem Endotoxin-Analogon

Auch heute noch verlaufen etwa 50 % aller Blutvergiftungen tödlich. Dem Center for Disease Control and Prevention zu Folge ist der Septische Schock eine der zehn häufigsten Todesursachen in den USA. Eine Behandlung ist bisher nur sehr eingeschränkt möglich. Nun hat ein Forscherteam um Kim D. Janda und Paul Wentworth, Jr. vom Scripps Research Institute in La Jolla einen vielversprechenden neuen Therapieansatz entwickelt.

Auslöser für die lebensgefährlichen Schockzustände im Verlauf einer durch gramnegative Bakterien ausgelösten Blutvergiftung sind die so genannten Endotoxine. Es handelt sich dabei um Lipopolysaccharide (LPS), Bausteine der bakteriellen Zellmembran, die beim Absterben der Bakterien frei werden. Für die toxische Wirkung ist vor allem Lipid A, der Lipidbestandteil der LPS verantwortlich. Lipid A löst im Organismus eine Art panikartiger Immureaktion aus, die letztendlich zum Kreislaufkollaps und zu einem Multiorganversagen führen kann. Das Dilemma: Um das Bakterienwachstum zu stoppen, ist einerseits die Gabe von Antibiotika notwendig, andererseits führt das Abtöten der Bakterien durch die Antibiotika wiederum zu einem verstärkten Freisetzen von Endotoxinen. Außerdem lässt sich Lipid A als Kohlenhydrat nicht - wie viele andere Toxine - durch eine passive Immunisierung über die Gabe von Antikörpern inaktivieren.

Die kalifornischen Forscher schlagen nun den Weg der aktiven Immunisierung vor. Das bedeutet, sie wollen das Immunsystem des Patienten dazu bringen, selber Antikörper gegen Lipid A herzustellen. Dazu muss das Immunsystem aber überlistet werden. Der Trick: Die Wissenschaftler haben ein leicht variiertes Lipid A synthetisiert, das Phosphonat-Gruppen enthält. Phosphonat-Gruppen erleichtern die Bildung von Antikörpern. Dieses neue Lipid koppeln sie zudem an das "Keyhole Limpet Hemocyanin" (KLH), ein Protein, das aus einer kalifornischen Meeresschnecke gewonnen wird und ein "Arbeitspferd" immunologischer Forschung ist. Dieses Protein ist als ein starkes Antigen bekannt, das heißt, es werden sehr leicht gegen KLH gerichtete Antikörper gebildet.

Versuche an Mäusen zeigten, dass die Tiere in der Tat Antikörper gegen das Konjugat aus KLH und dem Lipid A-Abkömmling herstellen. Diese Antikörper sind in der Lage, auch das "richtige" bakterielle Lipid A im Blut der Mäuse zu erkennen und außer Gefecht zu setzen. Die Studie lässt hoffen, dass auf dieser Basis eine wirksame Therapie für den Endotoxischen Schock entwickelt werden kann.

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