Angewandte Chemie

Cover image for Vol. 126 Issue 36

Chefredakteur: Peter Gölitz, Stellvertreter: Neville Compton, Haymo Ross

Online ISSN: 1521-3757

Associated Title(s): Angewandte Chemie International Edition, Chemistry - A European Journal, Chemistry – An Asian Journal, Zeitschrift für Chemie

Presse-Mitteilung

Den vollständigen Artikel und die Anschrift des Autors finden Sie in Angew. Chem. 2003, 115 (02), 229 - 232

Nr. 02/2003


Pilze gegen Asbest

Biodekontamination asbestverseuchter Böden -<<BR> Bodenpilze binden und inaktivieren Asbestfasern

Der Einsatz von Asbest ist heute weitestgehend verboten, der Großteil der verseuchten Gebäude saniert. Aber es gibt eine weitere Gefahrenquelle, die sich nur schwer beseitigen lässt: Die natürlichen Vorkommen asbesthaltiger Mineralien, die früher zur Gewinnung des Materials genutzt wurden. Die Gebiete um diese nunmehr brachliegenden Asbestminen, etwa in bestimmten Alpenregionen, sind weiträumig mit fein verteiltem Asbest kontaminiert. Ein Entfernen ist daher nicht möglich. Ein Turiner Team um Bice Fubini und Silvia Perotto schlägt nun vor, das Asbest statt dessen zu inaktivieren. Pilze sollen dabei helfen.

Ansatzpunkt des Konzeptes ist einer der Bestandteile der meisten Asbestminerale: Eisen-Ionen. Eisen-Ionen an sich sind harmlos und sogar lebensnotwendig für uns, etwa als Bestandteil des Hämoglobins. In dem Milieu jedoch, das auf der Oberfläche von Asbestfasern herrscht, verwandeln sich die friedlichen Eisen-Ionen zu höchst unerfreulichen Gesellen. Wie mittlerweile bekannt ist, spielen sie für die toxische Wirkung von Asbestfasern eine ganz erhebliche Rolle. So scheinen sie maßgeblich an der Erzeugung freier Radikale beteiligt zu sein, die die genetische Information von Zellen schädigen und Krebs auslösen können. Wie man festgestellt hat, verringert ein Herauslösen des Eisens aus der Oberfläche von Asbest diesen Effekt drastisch.

Den Job, das Eisen herauszulösen, könnten im Boden vorkommende Pilze übernehmen, überlegten sich die italienischen Forscher. Wie bekannt ist, produzieren bestimmte Pilzarten Eisen bindende Substanzen, die zum Transport und zur zellulären Speicherung von Eisen dienen. Aufgrund ihres fädigen Geflechtes (Mycel) können sich Pilze außerdem stark ausbreiten und große Bodenvolumina durchdringen.

Die Wissenschaftler testeten eine Reihe verschiedener Pilze und identifizierten einige Arten, die sich in der Gesellschaft von Blauasbest - dem gefährlichsten Asbestmineral - pudelwohl fühlen. Die Pilze heften sich regelrecht mit ihren Mycel-Fäden an die Asbestfasern, aus denen sie dann fleißig Eisen herauslösen. Durch das Anheften werden die Asbestfasern zum einen gebunden, so dass sie sich nicht weiter verteilen können. Zum anderen bewirkt - wie erwartet - der Entzug von Eisen eine Veränderung der Oberflächenstruktur der Fasern. Diese nunmehr inaktive Form ist möglicherweise nicht mehr cancerogen. "Auf der Basis unserer Erkenntnisse könnte sich vielleicht ein Verfahren zur Biodekontamination asbestverseuchter Böden entwickeln lassen," hofft Fubini.

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