Angewandte Chemie

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Chefredakteur: Peter Gölitz, Stellvertreter: Neville Compton, Haymo Ross

Online ISSN: 1521-3757

Associated Title(s): Angewandte Chemie International Edition, Chemistry - A European Journal, Chemistry – An Asian Journal, ChemistryOpen, ChemPlusChem, Zeitschrift für Chemie

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Presse-Mitteilung

Angewandte Chemie 2010, 122,
doi: 10.1002/ange.200904538

Nr. 12/2010
7.4.2010

Plastikgeld

Australiens Plastikbanknoten machen Geldfälschern das Leben schwer

Kontakt: David H. Solomon, University of Melbourne (Australia)
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Australiens Plastikbanknoten: eine wirksame Waffe gegen Geldfälschungen

Falschmünzerei gilt als das zweitälteste Gewerbe der Welt – ein Gewerbe, das erst recht durch die Einführung von Papiergeld beflügelt wurde. Um Fälschern den Spaß an ihrem Handwerk zu verderben, wurden 1988 in Australien die weltweit ersten Banknoten aus Plastik in Umlauf gebracht. David H. Solomon von der Universität Melbourne war in einem interdisziplinären Wissenschaftlerteam dabei, das diese Scheine entwickelt hat. In einem Essay in der Zeitschrift Angewandte Chemie zeichnet er mit Co-Autorin Emma L. Prime den mit vielen technischen Herausforderungen gepflasterten Weg zum Plastik-Geldschein nach.


© Wiley-VCH

1966 stellte Australien seine Währung vom britischen Pfund auf das Dezimalsystem um. Die von der australischen Notenbank (RBA) neu herausgegebenen Banknoten waren damals die fälschunggsichersten der Welt. Dennoch dauerte es weniger als ein Jahr, bis Fälscher versuchten, die ersten 10$-Blüten in Umlauf zu bringen – raffiniert gedruckt auf ganz gewöhnlichem Büropapier. Der damalige Präsident der RBA, H. C. (Nugget) Coombs, rief daraufhin ein Projekt zur Fälschungssicherung von Banknoten ins Leben.

Solomon erinnert sich an einen Fotografie-Experten in der Kommission, der fast jeden Vorschlag mit den Worten kommentierte: „Wenn man es sehen kann, kann man es auch photographieren“ – was heißen sollte, dass man jederzeit die Farben einer Banknote zerlegen, Druckplatten herstellen und die Banknoten nachahmen konnte. „Unsere Idee war, nicht fotografierbare Materialien zu entwickeln,“ berichtet Solomon, „was schlussendlich zur Verwendung von durchsichtigen Plastikfilmen als Substrat anstelle von Papier führte.“ Eine Banknote mit Durchsichtfenster in einem Plastikfilm bedeutet ein einfaches, aber höchst effektives Sicherheitsmerkmal. Material der Wahl wurde ein Polyethylen/Polypropylen/Polyethylen-Film. Zwei oder drei dieser dreischichtigen Filme wurden heißlaminiert, um die erforderliche Dicke von 80 bis 90 µm zu erhalten.

Ein weiteres Sicherheitsmerkmal sollte ein kleines Bild im durchsichtigen Fenster sein, das durch Beugung und Interferenz von Licht an einem komplexen Beugungsgitter entsteht. Zum Schutz der Beugungsgitter und um die gewohnte „Griffigkeit“ zu erzeugen, musste die gesamte Banknote dann noch mit einem klaren Polyurethanlack überzogen werden. Es gelang, einen Produktionsprozess zu entwickeln, der in einem Arbeitsgang läuft: Laminieren, weiße Tinte auftragen, das Muster drucken, ein Beugungsgitter heißprägen, Klarlack auftragen und Schneiden. In harten Tests erwiesen sich Musterbanknoten gegenüber gängigen Papierscheinen als haltbarer – in einem solchen Maße, dass die erhöhten Herstellungskosten leicht ausgeglichen wurden.

1988 brachte die RBA zunächst eine limitierte Zahl einer 10$-Sonderbanknote zur australischen Zweihundertjahrfeier in Umlauf (siehe Abbildung). Von 1992 bis 1996 ersetzte das Note Issue Department dann alle australischen Papier- durch Plastikbanknoten. „Inzwischen haben weitere Länder unsere Technologie übernommen,“ so Solomon. „In Rumänien, Neuseeland und Brasilien ging nach der Einführung von Plastikscheinen die Fälschungsrate um mehr als 90% zurück.“

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