Angewandte Chemie

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Chefredakteur: Peter Gölitz, Stellvertreter: Neville Compton, Haymo Ross

Online ISSN: 1521-3757

Associated Title(s): Angewandte Chemie International Edition, Chemistry - A European Journal, Chemistry – An Asian Journal, Zeitschrift für Chemie

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Presse-Mitteilung

Angewandte Chemie 2011, ,
doi: 10.1002/ange.201100921

Nr. 20/2011
23.5.2011

Maya-Kunst in Gelb und Blau

Verwandter des berühmten Maya-Blau: Indigo-Verbindungen verleihen Maya-Kunstwerken ihre gelbe Farbe

Kontakt: Antonio Doménech, Universitat de València (Spanien)
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From Maya Blue to "Maya Yellow": A Connection between Ancient Nanostructured Materials from the Voltammetry of Microparticles

Bei den Maya galt Blau als die Farbe der Götter. Für rituelle Zwecke, Kunstgegenstände und Wandmalereien verwendeten sie Maya-Blau, einen blauen Farbstoff, der seinesgleichen sucht, so kräftig, schön und haltbar ist er. Maya-Blau besteht aus Indigo, das in Palygorskit, ein spezielles Tonmineral, eingebettet ist. Ein Team um Antonio Doménech von der Universität Valencia (Spanien) hat nun herausgefunden, dass auch eine Reihe gelber Farbtöne der Maya auf vergleichbaren Bestandteilen basieren. Wie die Wissenschaftler in der Zeitschrift Angewandte Chemie berichten, scheinen die Maya eine Präparationsmethode entwickelt zu haben, die nicht auf Maya-Blau beschränkt war und heutige Synthesen organisch-anorganischer Hybridmaterialien vorweggenommen hat.

Maya-Kunst in Gelb und Blau - Verwandter des berühmten Maya-Blau: Indigo-Verbindungen verleihen Maya-Kunstwerken ihre gelbe Farbe
© Wiley-VCH

Maya-Blau ist so faszinierend, weil es einen besonderen Glanz und einen eigentümlichen Farbton zeigt, der von einem leuchtenden Türkis bis zu einem dunklen grünlichen Blau reicht. Basiert die Farbe auf einer einzigartigen organischen Komponente, einer einzigartigen Weise der Verknüpfung der Moleküle oder gibt es eine einzigartige Prozedur zu ihrer Herstellung? Doménech und sein Team stellen diese Hypothese in Frage. Sie vermuten, dass der Farbton vom Verhältnis zwischen Indigo und Dehydroindigo, dessen oxidierter Form, bestimmt wird. Dieses hängt davon ab, wie und wie lange die Maya ihre „Rezeptur“ erhitzten. Dabei könnten sich verschiedene Varianten der Anlagerungsverbindungen von Indigo-Verbindungen an das Mineral bilden. Die Forscher vermuten weiter, dass die Maya in der Lage waren, auch gelbe und grüne Farbstoffe auf der Basis von Indigo-Pigmenten herzustellen.

Mit spektroskopischen und mikroskopischen Methoden sowie der Voltammetrie, einem speziellen elektrochemischen Verfahren, das die Identifikation von Farbstoffen in Mikro- und Nanoproben von Kunstwerken erlaubt, untersuchten die Wissenschaftler eine Reihe gelber Proben aus Wandmalereien der Maya von verschiedenen archäologischen Stätten in Yucatán (Mexiko). Die Ergebnisse sprechen dafür, dass zumindest eine ganze Reihe gelber Pigmente in Wandmalereien der Maya aus Indigoiden bestehen, die an Palygorskit gebunden sind. Außerdem fanden sie Ocker.

Doménech und seine Kollegen halten es für sehr wahrscheinlich, dass die Präparation solcher „Maya-Gelb“-Pigmente ein Zwischenschritt bei der Präparation von Indigo und Maya-Blau gewesen sind: Vermutlich wurden Blätter und Zweige von Indigo-Pflanzen in einer Suspension aus gelöschtem Kalk in Wasser eingeweicht und das grobe Material durch Filtrieren entfernt. Eine Portion der gelben Suspension könnte dann abgetrennt und Palygorskit zugegeben worden sein, um Maya-Gelb herzustellen. Die restliche Suspension wurde intensiv gerührt und belüften, bis sie eine blaue Farbe angenommen hatte, filtriert und weiter getrocknet, um Indigo abzutrennen, das zum Färben benutzt wurde. Durch Mahlen mit Palygorskit und Erhitzen wurde sie zu Maya-Blau verarbeitet.

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