Angewandte Chemie

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Chefredakteur: Peter Gölitz, Stellvertreter: Neville Compton, Haymo Ross

Online ISSN: 1521-3757

Associated Title(s): Angewandte Chemie International Edition, Chemie in unserer Zeit, Chemistry - A European Journal, Chemistry – An Asian Journal, ChemistryOpen, Nachrichten aus der Chemie, Zeitschrift für Chemie

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Presse-Mitteilung

Angewandte Chemie ,
doi: 10.1002/ange.201403579

Nr. 25/2014
10.7.2014

Signale abfangen

Triplex-RNA-Motiv bindet zelluläres cGMP nach Expression in Säugerzellen

Kontakt: Clemens Richert, Universität Stuttgart (Deutschland)
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Endless: A Purine Binding Motif that Can Be Expressed in Cells

Für die Weiterleitung von Signalen in der Zelle ist cyclisches Guanosinmonophosphat (cGMP) ein wichtiger sekundärer Botenstoff. Deutsche Wissenschaftler haben jetzt eine RNA entworfen, die cGMP bindet. Wie sie in der Zeitschrift Angewandte Chemie berichten, lässt sich die cGMP-Signalkaskade in gentechnisch veränderten Zellen unterdrücken, die diese RNA herstellen.

Signale abfangen - Triplex-RNA-Motiv bindet zelluläres cGMP nach Expression in Säugerzellen
© Wiley-VCH

cGMP spielt beispielsweise bei der Relaxation der glatten Muskulatur der Blutgefäße und damit der Regulation des Blutdrucks eine wichtige Rolle. Fehlregulationen des cGMP-Signalwegs können im Zusammenhang mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen stehen. Experimentelle Manipulationen des endogenen cGMP-Levels in Zellen sollen zu einem besseren Verständnis der räumlich-zeitlichen Dynamik und der Funktion von cGMP führen. Während es mehrere Wege der Stimulation von cGMP gibt, etwa durch Stickstoffmonoxid (NO), fehlte Forschern bisher noch eine Möglichkeit, die zelluläre cGMP-Konzentration künstlich zu senken.

Wissenschaftler von den Universitäten Stuttgart und Tübingen haben jetzt eine Methode entwickelt, mit der sie cGMP-Moleküle in Zellen „abfangen“ können. Die Zellen werden dazu gentechnisch so verändert, dass sie speziell designte RNA-Moleküle herstellen, die cGMP binden.

RNA, Ribonukleinsäure, kennen wir normalerweise als Baustein für Ribosomen, Transporter für Aminosäuren und als Boten-RNA, die die Baupläne von der DNA kopiert und zu den Ribosomen transportiert, wo dann die Proteinbiosynthese abläuft. Inzwischen sind weitere physiologische Rollen entdeckt worden, etwa katalytisch aktive RNAs oder RNAs, die über eine Bindung an komplementäre Sequenzen die Genexpression regulieren. Daneben existieren so genannte Riboswitches, Sequenzen in der Boten-RNA, die niedermolekulare Metabolite binden und daraufhin die Genexpression regulieren.

Dem Team um den Stuttgarter Chemiker Clemens Richert und den Tübinger Biochemiker Robert Feil ist es jetzt gelungen, die Konzentration kleiner Moleküle, die zur Basenpaarung fähig sind, in Zellen durch speziell entworfene RNA-Sequenzen zu reduzieren. Dazu entwickelten die Stuttgarter Chemiker ein spezielles Faltungsmotiv, das cGMP bindet. Die Struktur basiert auf einem RNA-Dreifach-Strang, einem so genannten Triplex. Einer der drei Stränge bildet eine Schlaufe, die die Bindetasche für cGMP umrahmt. Dieses Motiv wiederholt sich mehrfach in einer langen kontinuierlichen Sequenz, daher tauften die Forscher ihr RNA-Konstrukt „Endless“.

Um die Funktionalität des „Endless“-Konstruktes in lebenden Zellen zu testen, erzeugten die Tübinger Biochemiker ein künstliches Gen, das für die „Endless“-RNA kodiert, und schleusten es in aus Mäuse-Blutgefäßen gewonnene Zellen ein, einem gut erforschten Modell zur Untersuchung von cGMP-Signalwegen. NO löst bei diesen Zellen über cGMP übertragene Signalkaskaden aus. In Zellen, die „Endless“ exprimierten, waren diese unterdrückt und die cGMP-Level deutlich niedriger als bei Kontroll-Zellen. Die „Endless“-RNA wirkt als „Auffangbecken“ für cGMP und sollte bei der weiteren Erforschung der physiologischen Rolle von cGMP gute Dienste leisten können.

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Über den Autor

Clemens Richert ist Chemiker auf dem Gebiet der organischen Synthese und hat den Lehrstuhl für Biologische Chemie an der Universität Stuttgart inne. Seine Forschungen konzentrieren sich vor allem auf funktionale Nukleinsäuren. Daneben ist er Vorsitzender der Deutschen Nucleinsäurechemiegemeinschaft (DNG e.V., http://dnarna.de).

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